Therapie
Gut trainiert in den Alltag
Physiotherapie
Therapieziel ist, dass die Patienten nach dem Klinikaufenthalt ihren alltäglichen Anforderungen wieder gerecht werden. Physio- und sporttherapeutische Maßnahmen sind hier von großer Bedeutung, da sie die Bewegungsfähigkeit und Beweglichkeit entscheidend beeinflussen und weiteren Bewegungseinschränkungen entgegenwirken können. In Einzeltherapie-
sitzungen werden die unterschiedlichen Probleme der Patienten erfasst und mit individuellen Maßnahmen und Strategien therapeutisch angegangen. Am Ende ihres Aufenthaltes erhalten die Patienten ein Hausaufgabenprogramm mit praktischen Übungen, welche sie täglich durchführen sollen.
Neben den klassischen physiotherapeutischen Behandlungstechniken bilden die Therapien auf neurophysiologischer Grundlage, wie zum Beispiel PNF (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation) oder das Bobath-Konzept, den Behandlungsschwerpunkt.
Sturzprävention
Weiterer Schwerpunkt ist die Sturzprävention. Patienten mit Fallneigung erhalten nach einer ausführlichen Risikoanalyse ein individuell auf sie zugeschnittenes Sturzprophylaxe-Training. Mit verschiedenen Tests werden die Patienten am Anfang des Trainings auf Gleichgewichtreaktionen, Mobilität und Gangbild überprüft. Am Ende des Aufenthaltes werden diese Tests erneut durchgeführt und ausgewertet, um das Behandlungskonzept weiter zu optimieren. Studien zufolge kann ein intensives kombiniertes Gleichgewichts-Krafttraining das Sturzrisiko um bis zu 15 Prozent reduzieren.
Da die Medikamentenwirkung in fortgeschrittenen Stadien nicht immer gleich gut ist, zeigen sich in den sogenannten Off-Phasen motorische Blockaden (Freezing, Festinationen), bei denen verschiedene Strategien, welche mit dem Patienten individuell erarbeitet werden, zum Einsatz kommen. Sie können mentaler Art sein oder aus visuellen, akustischen oder taktilen Reizen und motorischen Manövern bestehen.
Wesentliche Bestandteile der Physiotherapie sind ferner die manuelle Therapie (Kaltenborn-Evjenth) bei Patienten mit orthopädischen Problemen, die Haltungsschule und die Gehschule, Gleichgewichtstraining, Laufbandtraining, Gerätetraining, das Üben von Körperlagewechsel, Konzentration und Wahrnehmung sowie die rhythmische Koordination. Klassische Massagen, Unterwassermassagen, Lymphdrainagen, Thermotherapie, gymnastische Übungen und die Elektrobehandlung mit nieder- und mittelfrequentem Reizstrom ergänzen den Behandlungskomplex.
Kraft- und Gleichgewichtstraining
Körperlich fitte Patienten erhalten ein Gerätetraining, welches das Muskel-wachstum fördern und die Muskelkraft steigern soll. Kombiniert wird die Arbeit an den Geräten mit einem vielseitigen Gleichgewichtstraining.
Studien zeigen, dass diese Trainingskombination einen positiven Effekt auf das Gleichgewichtsverhalten der Patienten hat.
Klettern und Nordic Walking
Sporttherapeutisch ausgerichtete Behandlungen, wie Klettern und Nordic Walking, für jüngere und mobilere Patienten stellen eine erhöhte Reizsetzung unter höherer Belastung in den Vordergrund. Zum Einsatz kann dabei zum Beispiel auch ein Pedalo kommen, welches hohe Anforderungen an das Gleichgewichtsverhalten und die Beinkoordination stellt. Zusätzlich lernen die Patienten ihre motorische Situation besser einzuschätzen.
In fortgeschrittenen Stadien werden zusätzlich zur Bewegungstherapie verstärkt passive Maßnahmen angewandt. Diese wirken lindernd auf die durch Haltungs-schäden und fehlende Bewegung schmerzhaft veränderten Strukturen ein.
BIG – Spezifische Bewegungstherapie bei Morbus Parkinson
In das physiotherapeutische Programm der Klinik fließen bei Bedarf und Möglichkeit auch Elemente der Bewegungstherapie BIG mit ein. Dieses neu entwickelte Behandlungskonzept leitet sich aus dem Lee Silverman Stimmtraining (LSVT) zur Verbesserung der Sprechlautstärke ab, dessen gute Wirksamkeit mehrfach wissenschaftlich bewiesen wurde.
Den Schwerpunkt von BIG bildet das gezielte Üben großräumiger Bewegungen. Aktuelle Studien belegen, dass diese einer Bewegungsverlangsamung (Bradykinese) und Bewegungsarmut (Hypokinese) der Arme und Beine entgegen wirken und die Beweglichkeit von Parkinson-Patienten nachhaltig verbessern können.
Bei dem BIG-Training wird jede Bewegung bewusst mit möglichst großem Krafteinsatz ausgeführt. Durch ständiges Wiederholen und Rückmeldungen des Therapeuten lernen Patienten ihre Bewegungen besser wahrzunehmen und einzuschätzen. Auf diese Weise können sie einem unbewussten Kleiner-Werden, zum Beispiel ihrer Schritte, aktiv entgegen arbeiten. Wichtig ist, dass sie die Übungen im Alltag regelmäßig fortführen, damit sich die verbesserten Bewegungsabläufe zunehmend verselbstständigen.
Termine:
2. Wolfacher Symposium
Physio- und Bewegungstherapie beim Parkinson-Syndrom
Mit dem vorliegenden Kursangebot bieten wir nun schon zum zweiten Mal eine Veranstaltung für Physiotherapeuten an.
Wir möchten Ihnen einen umfassenden Einblick in Erfahrung und Erkenntnisse der Behandlung an Morbus Parkinson erkrankter Patienten ermöglichen.
Neuigkeiten:
Welt-Parkinson-Tag 2011
Parkinson in der Partnerschaft
Partnerschaften, in denen ein Partner am Morbus Parkinson erkrankt, sind trotz dieser chronischen Erkrankung in fast allen Fällen stabil. Das ist eine der zentralen Aussagen, die Dr. Gerd Fuchs, Chefarzt der Parkinson-Klinik Wolfach, anlässlich des diesjährigen Welt-Parkinson-Tags äußerte.
Buch-Neuerscheinung
Für Pflegekräfte und Angehörige
Pflege von Menschen mit Parkinson –
Praxisbuch für die häusliche und stationäre Pflege, Verlag Kohlhammer, Juni 2010. Weitere Informationen erhalten Sie hier…
Welt-Parkinson-Tag 2010
dPV-Gruppen zu Gast in Wolfach
Rund 90 Parkinson-Erkrankte und An-
gehörige informierten sich am 10. April über aktuelle medikamentöse Strate-
gien, psychologische Aspekte der Krankheitsverarbeitung und physio-
therapeutische Maßnahmen zur Sturzprophylaxe. Weitere Informationen erhalten Sie hier…
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