Therapie
Erhalt der Kommunikationsfähigkeit
Logopädie
Alle lautsprachlichen Äußerungen, also auch das spontane Sprechgeschehen, gehen aus einem fein abgestimmten Zusammenspiel von Atmung (Respiration), Stimmgebung (Phonation) und Lautbildung (Artikulation) hervor. Dies erfordert die zeitlich genaue Koordination von über 100 Muskeln. Bei 80 bis 90 Prozent der Parkinson-Patienten ist die Sprechmotorik infolge der neurologischen Erkrankung beeinträchtigt. Solch eine erworbene neurogene Sprechstörung bezeichnet man als Dysarthrie. Schwerpunkt der logopädischen Therapie sind daher Übungen zur Verbesserung der Atem-, Stimm- und Sprechleistung.
Dysarthrie – Symptome und Therapie
Wenn die Atmung flacher und schneller und die Sprechatmung durch eine verkürzte Ausatmungsdauer eingeschränkt wird, können Übungen zur Aktivierung einer vertieften Bauchatmung und einer reflektorischen Atemergänzung helfen, die Stimmgebung atemrhythmisch anzupassen.
Wird die Stimme leise, heiser und rau – die Stimmlage kann dabei erhöht sein, die Modulation eingeschränkt und die Resonanz vermindert, lassen sich mit folgenden Übungen Verbesserungen erzielen:
- Funktionelles Stimmtraining
- Stimmtraining nach Übungsprinzipien des Lee Silverman Voice Treatment (LSVT).
Die Prosodie (Betonung, Sprechtempo, Lautstärke) des Sprechens ist bei Parkinson-Patienten häufig monoton, verlangsamt oder beschleunigt und weist vermehrte Laut-Silbenwiederholungen auf. In diesem Fall gilt es
die Betonung und das Silbensprechen zu trainieren sowie mit Hilfsmitteln das Sprechtempo zu verlangsamen (z.B. Pacing-Bord = Sprechbrett).
Wird das Sprechen verwaschen, undeutlich und zunehmend unverständlich, und hat der Patient Probleme beim Sprechbeginn (Startschwierigkeiten), sind Übungen auf Laut- Silben- und Wortebene hilfreich, um die Sprechdeutlichkeit zu verbessern.
Die Mimik ist häufig in der Bewegung reduziert (Maskengesicht), so dass der kommunikative Aspekt zur Sprachunterstützung wegfällt. Angehörige können Befindlichkeiten nicht mehr am Gesichtsausdruck ablesen oder glauben, die Patientin/der Patient gucke böse.
Mit Hilfe der folgenden Maßnahmen können Defizite ein Stück weit ausgeglichen werden:
- Intentionale Übungen zum bewussten nonverbalen Ausdruck
- Mundmotorik-Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit der Lippen, Wangen, Zunge, Gaumensegel und Kiefer (wichtig auch für die Artikulation und die Schluckfunktion).
Das individuelle Profil als Grundlage der Therapie
Aufgrund der unterschiedlichen Symptome ist eine genaue, differenzierte Diagnostik wichtig. Nur so lassen sich therapeutische Schwerpunkte und Hilfestellungen individuell anpassen. Bei allen angebotenen Übungen kann präventiv gearbeitet werden, um einer langsamen, unbewussten Beeinträchtigung oder Veränderung entgegenzuwirken.
Der Patient entscheidet mit, was er verändern möchte. Relevante Kommunikationssituationen werden individuell am Patienten orientiert verbessert bzw. ermöglicht. Mit der Sprechfähigkeit bleibt ein zentraler Punkt der Persönlichkeit und sozialen Kompetenz erhalten: je nach psychosozialem Umfeld zeigt sich ein individuelles Profil, welches dann auch die Grundlage der Therapie bildet.
Dysphagie (neurologisch bedingte Schluckstörung)
Viele Patienten leiden außerdem an Schluckproblemen. Diese können in ihrer Ausprägung sehr unterschiedlich sein und von einer minimalen Einschränkung bis hin zu einer erhöhten, lebensbedrohlichen Aspirationsgefahr reichen. Eine genaue Diagnostik ist daher sehr wichtig.
Therapieinhalte der Funktionellen Therapie (FDT-Funktionelle Dysphagie Therapie nach Bartolome) sind:
Diagnostik
In welcher Kau- und Schluckphase bestehen vermehrt Probleme/Defizite?
Wiederherstellende Maßnahmen
zum Erhalt von Funktionen und deren Verbesserung.
Ersatzstrategien
wie zum Beispiel Haltungsaufbau (Sitzhaltung, Kopfhaltung). Selbst kleine Haltungsänderungen können das muskuläre Gleichgewicht stören oder auch positiv verändern.
Beratung
In der Beratung werden dem Patienten Übungen, Hilfsmittel und verschiedenen Alltagstipps (Risiken) zur Menge und Konsistenz von Nahrungsmitteln vermittelt. Der Patient soll im Alltag angstfrei essen und trinken können und wissen, welche Änderungen für ihn wichtig sind und welche Risikofaktoren es für ihn gibt.
Neuigkeiten:
Welt-Parkinson-Tag 2010
dPV-Gruppen zu Gast in Wolfach
Rund 90 Parkinson-Erkrankte und An-
gehörige informierten sich am 10. April über aktuelle medikamentöse Strate-
gien, psychologische Aspekte der Krankheitsverarbeitung und physio-
therapeutische Maßnahmen zur Sturzprophylaxe …
Website mit Gütesiegel
Patientenfreundliches Internet
Die Initiative Medizin Online (imedON) zeichnet die Website der Parkinson-Klinik Wolfach für ihre Benutzerfreund-
lichkeit und Transparenz aus …
dPV-Qualitätszertifikat
Von Experten empfohlen
Ziel des Zertifikates ist es, die Betreuung sowie die Lebensumstände von Parkinson-Patienten und ihren Partnern zu verbessern.
Termine:
Psychologie und Morbus Parkinson
5. bis 6.11.2010
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